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Liebe Café Littéraire-Familie


Am Donnerstag, 5. August, findet von 18:30 bis 19.45 Uhr in der Buchhandlung

Schreiber das nächste Café Littéraire statt.

  

 

Wir reden über die folgenden drei Bücher:

 

 

Unerhörte Stimmen

Grünberg, Arnon
Besetzte Gebiete
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-00106-8  

 

Der fünfzehnte Roman des niederländischen Bestsellerautors Arnon Grünberg wird von Kritik und Publikum als Höhepunkt seines schon vielfach preisgekrönten Werkes gefeiert. Ein schockierender und humorvoller Roman über einen »unmenschlich guten« Psychiater. Wegen einer fehlgelaufenen Liebesgeschichte und falschen Anschuldigungen verliert Otto Kadoke seine Approbation als Psychiater in Amsterdam. Vor dem Nichts stehend, beschließt er, die Einladung seiner Verwandten Anat, einer fanatischen Zionistin, ins Westjordanland anzunehmen. Als der überzeugte Atheist und Anti-Zionist dort ankommt, muss er sich der Etikette halber zunächst als Anats Verlobter ausgeben, verliebt sich aber schließlich ernsthaft in sie. Sie willigt jedoch nur ein, ihn zu heiraten, wenn die beiden eine gottgefällige Ehe - das heißt mit vielen Kindern - führen, um das Heilige Land zu bevölkern und den Holocaust wettzumachen. Auf Kadoke warten viele Prüfungen. Ein Roman mit fast wahnwitzigen Wendungen und urkomischen Szenen, der zeigt, wie sehr die Vergangenheit unser Verhalten bestimmt. Die tragischkomische Liebesgeschichte des Antihelden Kadoke verwebt schonungslose Gesellschaftskritik, historische Analyse und die Untersuchung tiefmenschlicher, existenzieller Fragen. Ein Buch, das in den Niederlanden Begeisterungsstürme auslöste und auch in Deutschland seine Wirkung nicht verfehlen wird.

 

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Hunger

Harvey, Samantha
Westwind
Atrium Verlag
ISBN: 978-3-85535-077-3

 

Die Geschichte des Priesters John Reve. Vier Tage sind es, die uns der Geistliche schildert, oder besser gesagt: beichtet. Denn mit der Beichte kennt er sich aus. Als zuständiger Geistlicher im kleinen Örtchen Oakham sitzt er tagein, tagaus im eigens für die Kirche angeschafften Beichtstuhl und hört sich die Sünden seiner Schäfchen an. Manche bereuen aufrichtig, andere gestehen Quisquilien und noch andere lassen ihre Verfehlungen nicht mehr schlafen. Reve muss sich als Seelsorger um sie alle kümmern und zweifelt so manches mal auch an sich und seinen Fähigkeiten.
Besondere Aufregung herrscht im Dorf am Ende der Faschingszeit, nachdem ein Mitbürger verschwunden ist. Der reichste Mann des Dorfes hatte zuvor die Pläne für einen Brückenbau vorangetrieben. Hat er sich in die Fluten gestürzt? Wurde er ermordet? Vier Tage lang lauscht Reve den Beichten der Dorfbewohner und befragt sich selbst. Angetrieben wird er dabei auch von seinem Dekan, der extra angereist ist und ihn unter Druck setzt.
Diese vier Tage schildert uns John Reve allerdings nicht chronologisch. Vielmehr wählt Samantha Harvey einen besonderen erzählerischen Clou. Denn die vier Tage werden uns rückwärts erzählt, beginnend beim Fastnachtdienstag, endend am Fastnachtssamstag. Alles beginnt mit der Sichtung der Leiche, alles endet mit dem Verschwinden des Dorfbewohners.
Wie der Priester tagein, tagaus im Beichtstuhl sitzt, die Geständnisse seiner Mitbewohner*innen entgegennimmt und ihnen die Absolution erteilt, mal gelangweilt, mal abgestoßen, mal interessiert, das vermag sie gut zu schildern. Allerdings ist diese Routine und erzählerische Gemächlichkeit ein Knackpunkt des Buchs, an dem sich die Leseerwartungen scheiden dürften.

 


 

Nur für sehr starke Nerven!

 

Unerhörte Stimmen

Pollock, Donald Ray
Die himmlische Tafel
Verlag Liebeskind oder Heyne TB
ISBN: 978-3-95438-065-7  

 

Alles beginnt mit dem Farmer Pear Jewett. Dieser legt mit seinen Söhnen einen protestantischen Arbeitseifer an den Tag. Bettelarm schuftet er mit ihnen Tag für Tag und hat sein großes Ziel vor Augen: einen Platz an der himmlischen Tafel, den er sich verhofft. In Kontakt mit dem Jenseits gerät er allerdings schneller als gedacht. Schon zu Beginn des Buchs verstirbt er und hinterlässt seinen drei Jungen keinerlei irdischen Besitz. Im ärmlichen Georgia beschließen die drei, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Orientierung verheißt ihnen dabei der Groschenroman Bloody Bill Bucket, der das Leben eines Outlaws beschreibt.
Die drei Brüder eifern ihrem Vorbild nach und beschließen, eine Bank zu überfallen. Doch bei einem Überfall soll es nicht bleiben. Und schon bald zieht sich eine Schneise der Gewalt und Brutalität durch ganz Georgia. Allerdings machen auch eine ganze Reihe von Bürgern Jagd auf die drei. Vom Playboy bis zum ausgeraubten Händler jagen alle möglichen Verfolger den Outlaws hinterher. Da wird es schwierig mit einem Platz an der himmlischen Tafel.

 

Die himmlische Tafel ist ein Buch, das den Dilettantismus feiert und in allen Facetten inszeniert. Denn wenngleich man mit den Stichworten Outlaws, Banküberfälle und Fluch viel Hollywoodglanz á la Butch Cassidy and the Sundance Kid verbindet, besitzt Donald Ray Pollocks Buch nichts davon. Die Überfälle sind dilettantisch, die Verfolger stolpern oftmals eher über die eigenen Füße denn über die Gesuchten. Bis es zum (ebenfalls recht schlampig und fehlerhaft) durchgeführten Showdown kommt, vergehen viele hundert Seiten.
Diese Seiten sind randvoll mit Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Armut, die plastisch geschildert werden. So etwas wie Sympathieträger findet man in Roman eh kaum. Vielmehr zeigt Donald Ray Pollock Figuren, die denkbar weit weg sind vom amerikanischen Traum.

 

(Textbausteine zu Samantha Harvey und Donald Ray Pollock von www.Buch-haltung.com)

  

 

 Weitere Tipps der Café Littéraire-Runde: PDF 

 

 

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2021

 

- 5. August 

 

Wegen der aktuellen Corona-Lage werden die Daten für den Rest des Jahres beim nächsten Anlass gemeinsam festgesetzt.